Bericht Nr. 23

Möglichkeiten zur Weiterentwicklung des operativen Hochwasserschutzes – ein Beitrag aus wasserwirtschaftlicher Perspektive (Link)

Schüller, A.

Zusammenfassung

Technische Hochwasserschutzanlagen schützen grundsätzlich nur gegen Hochwasser­ereignisse einer gewissen Jährlichkeit. Um das verbleibende Risiko, z. B. aufgrund eines planmäßigen oder außerplanmäßigen Versagens, für Mensch und Sachgüter im Rahmen der Bewältigung von Hochwasser- und Starkregenereignissen reduzieren zu können, sind geeignete operative Maßnahmen erforderlich. Mit dieser Aufgabe beschäftigt sich der operative Hochwasserschutz, dessen Wirkungs­bereich bzw. Verständnis bislang auf die Zeit während eines Hochwasserereignisses begrenzt war. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, wie der operative Hochwasser­schutz im deutschen Binnenland für eine erfolgreiche Ereignisbewältigung weiter­entwickelt werden kann. Mit dem Ziel einer strukturierten Herangehensweise an die Thematik wurden die Handlungsfelder Führung, Daten, Technische Instrumente und Struktur theoretisch-konzeptionell identifiziert. Dabei wird der Fokus auf die dazugehörigen Forschungs­schwerpunkte Entscheidungsvariablen, Priorisierung, Entscheidungs­relevante Daten, Automatisierung/Auslöse­schwellen, Technische Instrumente und Struktur gelegt. Im Rahmen einer empirischen Studie wurden mit Hilfe von Experteninterviews, teilnehmender Beobachtung, Sekundär-/Archivdaten sowie einem Online-Fragebogen Daten für ausgewählte Szenarien erhoben und vorwiegend qualitativ mit Hilfe einer fokussierten Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2018) ausgewertet. Als Erkenntnis der vorliegenden Abhandlung konnte herausgearbeitet werden, dass der operative Hochwasser­schutz entgegen dem bisherigen (Begriffs-)Verständnis nicht allein auf die Phase während eines Hochwasser- oder Starkregenereignisses eingegrenzt werden kann, sondern in inhaltlich aufeinander aufbauende Handlungsphasen mit den drei Säulen operative Hochwasservorsorge (vor), -bewältigung (während) und -nachsorge (nacheinem Hochwasserereignis) zu unterteilen ist. Das Zusammenspiel der drei Säulen in Verbindung mit einer interdisziplinären Betrachtungsweise unter Einbeziehung von Wasserwirtschaft und Katastrophenschutz stellt zusammenfassend einen ganzheitlichen operativen Hochwasserschutz dar, wobei die zyklische Weiter­entwicklung über zeitlich aufeinanderfolgende Teilschritte hinweg einen elemen­taren Bestandteil bildet. Hochwassermanagementsysteme stellen einen Ansatz dar, um sowohl den Anforderungen aller drei Säulen des operativen Hochwasser­schutzes als auch den vier o. g. Handlungsfeldern gerecht zu werden. Im Sinne eines integrierten operativen Hochwasser­schutzes sollte die bisherige Schnittstelle zwischen Wasser­wirtschaft und Katastrophenschutz qualitativ zu einer Integrierten Verbindungsstelle weiterentwickelt werden, in deren Fokus die gemeinsame Auf­stellung und Weiter­entwicklung von szenarienspezifischen Alarm- und Einsatzplänen, die Nutzung von Hochwasser­management­systemen und gemeinsame interdisziplinäre Schulungen und Übungen stehen sollten.